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Leo De Sousa – ein Gespräch über Grenzen

Da Leo De Sousa sich im Interview nicht selbst beschreiben will – obwohl er zugibt, dass wenn, er nur positive Dinge über sich selbst sagen würde – hat er seine Fußballjungs gefragt. Die D-Jugend des JFV sagt über ihren Trainer: ''kann gut motivieren'', ''witzig'' und ''immer positiv''. Letzteres kann ich nach unserem Gespräch nur bestätigen, in unserem Gespräch war das Glas für ihn wirklich immer halb voll, statt halb leer. Selbst wenn er einen negativen Aspekt erwähnt, formuliert er es irgendwie positiv oder schiebt gleich einen positiven Gesichtspunkt hinterher.

Grenzen überwinden

Zuerst wollte der 21-jährige ursprünglich Lehramt studieren, wusste dann aber nicht, welche Fächer. Sport & Spanisch oder Spanisch & Deutsch. Er konnte sich nicht entscheiden, wusste aber, er möchte mit Kindern arbeiten. In sein Pädagogik-Studium ist er dann ohne große Erwartungen. Damit hat er später ein breites Einsatzfeld: vom Waldpädagogen, der beim Forstamt angestellt ist, bis hin zum Theaterpädagogen. Er mag am liebsten die Arbeit mit Kindern, weil er sie im Gegensatz zu Erwachsenen als unbeschwerter und ehrlicher empfindet. So will er sich im Studium auf Kinder- und Jugendentwicklung sowie Erwachsenenbildung spezialisieren. Er hätte noch Migration und Inklusion zur Wahl gehabt.

Interessanterweise hat er trotz seines eigenen Migrationshintergrunds nicht diesen Schwerpunkt gewählt – oder gerade deshalb!? Mit seinen portugiesischen Eltern hat er noch nie über dieses Thema gesprochen. Sie sind aus Portugal her gekommen, ohne ein Wort Deutsch zu können. Sie haben es jedoch schnell lernen müssen, ohne dass sie jemand gefördert hätte. Es gab in Boppard schlichtweg keine anderen Portugiesen. Das sieht Leo als Vorteil. So ist man gezwungen die Sprache zu lernen. Seine portugiesischen Wurzeln sieht er insofern als vorteilhaft, da man in Deutschland Portugal eher mit positiven Dingen, wie etwa dem bekannten Fußballspieler Cristiano Ronaldo, verbinde.

Für mich lag es während unseres Gesprächs nahe zu fragen, woher dieser, für deutsche Ohren, doch eher ungewöhnlich klingende Name „De Sousa“, kommt. Ist das schon diskriminierend solch eine Frage zu stellen? Wo fängt es an? Er selbst und sein Bruder haben schon Ausländerfeindlichkeit erlebt. Üble Beschimpfungen, wie „Kanacke“ oder „Raus aus Deutschland“. Leo sieht sich als Deutsch. Bis auf sein „zu-spät-kommen“. Das wäre typisch portugiesisch. Obwohl – demnach müsste ich persönlich auch mal meine Ahnen auf portugiesisches Blut überprüfen.

Während seines Praktikums bei der GFA hat der ein oder andere Flüchtling ihn aufgrund seines Aussehens auch gefragt, warum er so gut Deutsch kann. Sie waren der Annahme, er sei aus Syrien. Im Rahmen seiner Vertiefung Erwachsenenbildung hat er die letzten acht Wochen ein Praktikum im Geschäftsbereich Personalentwicklung in den Maßnahmen „BG Coaching“ und „Perf“ bei der GFA in Simmern und Bad Kreuznach gemacht. Der Zeitaufwand für Fahren und Arbeiten hat ihn im Gegensatz zum Studentenleben etwas gestresst. Er musste umplanen. Hatte weniger Zeit und musste daher lernen auch mal nein zu sagen, wenn sich nicht mehr alles in seinem Terminkalender unterbringen lies.

Grenzen ziehen

Das empfindet er als eine seiner Schwächen. Er kann nicht nein sagen. Seiner eigenen Aussage nach, sagt das auch seine Mutter über ihn. Im Praktikumsalltag hat er schnell gelernt, dass man in solch einem sozialen Beruf jedoch unbedingt lernen muss Grenzen zu ziehen. Man leistet als Jobcoach viel – auch emotional – wenn man die Menschen unterstützt. Manchen hilft man damit und freut sich, wenn es Ihnen schließlich besser geht. Andere blocken die Hilfe ganz ab. Hier muss man Leos Meinung nach lernen, Grenzen zu ziehen, um sich selbst zu schützen. Sonst leidet man am Ende des Tages selbst darunter. Wie essentiell das ist, hat er persönlich unter anderem auch während seines Praktikums am Verhalten seiner Kollegen lernen dürfen. Um in diesem Job klar zu kommen, muss man in gewisser Weise lernen, die Probleme der Teilnehmer einer Maßnahme nicht mit nach Hause zu nehmen. Grenzen zu ziehen übt er bereits auch in seiner Tätigkeit als Fußball-Coach. Seine Jungs schätzen ihn unter anderem auch dafür, dass er witzig ist. Als Coach kann er allerdings nicht nur Unsinn mitmachen, sondern muss auch Grenzen setzen.

Ebenso wie er seinen Jungs beibringen muss, ein Tor zu schießen. Er kann nur vorbereiten. Er kann nicht mit auf den Platz. Am Ende des Tages müssen sie es selbst tun. Das ist sein Ziel: überflüssig werden. Sei es als Coach oder als Pädagoge.