Was suchen Sie?

Laut - lauter – Laszlo Gilanyi als Trainer am Spielfeldrand: Was treibt ihn an?

Er setzt sich mit sehr viel Herzblut für den eigenen Verein, die HSG Kastellaun/Simmern, ein. Und das obwohl „Handball unterdessen zu brutal für seine alten Knochen ist“ und er lediglich noch Tennis spielt. Was treibt jemanden an, so viele Stunden, früher als Spieler, dann als Trainer und nun als Vorstandsmitglied, mit seinem Ehrenamt für die HSG Kastellaun/Simmern zu verbringen?! Was lässt jemanden als Trainer am Spielfeldrand so emotional werden, dass sich die Mitglieder des gegnerischen Teams schon wundern, während die eigenen Vereinsmitglieder kein Problem damit haben? Es hat nicht nur mit seiner Liebe zum Handball zu tun. Sondern auch mit Etwas, das er aus dem fernen Ecuador mit in den Hunsrück gebracht hat. Und nein, damit sind nicht seine Frau oder seine beiden in Ecuador geborenen Kinder gemeint.

Ein Auslandsaufenthalt – neue Blickwinkel kennen lernen

Laszlo Gilanyi - nach ungarischer Tradition trägt er den gleichen Namen wie sein Vater und sein Sohn - ging nach seiner Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann und seinem BWL-Studium in Koblenz nach Ecuador, um Spanisch zu lernen. Danach wollte er wieder in die Arbeitswelt im Hunsrück eintauchen. So war der Plan. Es kam anders.
Solch einen Auslandsaufenthalt, wie seinen in Ecuador, würde er jedem jungen Menschen empfehlen. Einfach mal raus aus der vertrauten Heimat – in seinem Fall Simmern im Hunsrück. Dabei rät er, aufgrund seiner eigenen Erfahrungen eher in ein Land wie Ecuador zu gehen anstatt in ein Land wie die USA. Auch in den USA hat er einige Zeit verbracht. Jedoch war es seine Erfahrung in Ecuador, die ihn wirklich bereichert hat - nicht nur um eine Ehefrau und Familie. Alleine in ein Land zu gehen, wo einen keine Menschenseele kennt. Das ist für sich gesehen schon eine prägende Erfahrung. Wohl umso mehr, wenn man aus dem kleinen Hunsrück kommt, wo jeder jeden kennt und man dazu noch den gleichen Namen wie der eigene - in Simmern recht bekannte - Vater trägt!?
Wenn man die gewohnten Gefilde verlässt, ist es eine ganz neue Erfahrung, dass man plötzlich Hilfe von Anderen braucht, um sich zurecht zu finden. Hilfe von freundlichen Menschen, die wenig besitzen und täglich für ein Existenzminimum kämpfen müssen. Hier darf man nicht zu stolz sein, um Hilfe anzunehmen. Wer den Mut hat, sich helfen zu lassen, der wird nach Meinung Laszlo Gilanyis auch Hilfsbedürftige selbst besser verstehen.

Ecuador hat ihn nachhaltig geprägt

Als er damals in einem Straßencafé in Quito einen Lehrer traf, der ihm einen Job als Lehrer für BWL, VWL und Buchführung an der dortigen deutschsprachigen Schule anbot, da wurden aus dem geplanten Sprachkurs zwölf ganze Jahre, bevor er wieder zurück in den Hunsrück kam.
Die Zeit in Ecuador hat ihn nach eigener Aussage vorurteilsfreier, kommunikativer und fröhlicher gemacht. Diese Eigenschaften hat er sich auch in Deutschland bewahrt. Trotz der deutschen Leistungsgesellschaft, wie er sagt. Obwohl er auch kritisch hinterfragt, ob die ecuadorianische Lebensfreude mit unserem deutschen wirtschaftlichen Erfolg vereinbar sind. Diesbezüglich ist er unsicher, obwohl er anmerkt, dass es in Skandinavien schließlich auch funktioniere. Jedoch gerade die Erfahrung, in ein Land zu gehen, dass sich kulturell und wirtschaftlich so stark von Deutschland unterscheidet, empfand er als sehr eindrucksvoll und empfiehlt es. Am stärksten und nachhaltigsten jedoch hat Ihn der Familien- und Gemeinschaftssinn der Ecuadorianer geprägt. Die Tatsache, dass für Viele die Gemeinschaft noch wichtiger als der Einzelne ist. Das erlebt er in Deutschland oft genau umgekehrt. Hier steht das Individuum mehr im Vordergrund. Es wird daher auch schwieriger Menschen für Teamsportarten, wie Handball, zu begeistern. Individualsportarten, in denen man selbst bestimmen kann, wann und wie man trainiert, werden daher festen Trainings- und Spielzeiten vielmals vorgezogen.

Sein Antrieb

Diese Solidarität, die er in Ecuador erlebte, hat Laszlo Gilanyi so nachhaltig beeindruckt, dass sie ihn auch heute noch in seinem Ehrenamt für die HSG Kastellaun/Simmern antreibt. Daher sind die unzähligen Stunden Ehrenamt für ihn nicht nur Arbeit, sondern auch Erfüllung. Auch auf die etwas provokante Frage, ob die Ehrenamtler denn nicht die „Deppen vom Dienst“ seien, da es meist die ein und selben Personen sind, die sich für einen Verein abrackern, ist er sich absolut sicher, dass der Aufwand es wert sei. Vor allem, wenn es um den Nachwuchs im Verein geht und man so zu einer Prävention beitragen kann. Er findet, man sollte sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Der Spaß und der Erfolg des Vereins stehen für ihn im Vordergrund. Dann ist für Laszlo Gilanyi das „Geben“ ein Geschenk.
Des Weiteren haben wir mit Laszlo Gilanyi nicht nur über seine eigenen Soft-Skills gesprochen, sondern auch über Soft-Skills im Handball. Diesen Blog-Post lesen Sie nächste Woche hier auf unserem GFA Blog.

Weitere Themen

Sebastian Weber – Zielstrebig vom Azubi zum Prokurist in der Firma Zwetsch

Oft heißt es, „einmal Azubi immer Azubi“, nicht so für Sebastian Weber. Er arbeitet bei der Firma Georg Zwetsch GmbH in Idar-Oberstein, einem Firmenkunden der GFA. Im Interview hat er uns erzählt, was ihn an seinem Arbeitgeber begeistert und welchen Herausforderungen er sich noch stellen möchte – sowohl beruflich als auch privat.

Handballer bringen Soft-Skills mit in die Arbeitswelt

Wir haben uns mit Laszlo Gilanyi von der HSG Kastellaun/Simmern darüber unterhalten, welche Soft-Skills einen guten Handballer ausmachen, wie sich Frauen- und Männerteams unterscheiden und wie Führung für ihn in seiner aktiven Zeit als Trainer aussah.

Constantin Prinz zu Salm-Salm über die Parallelen von Rugby und Geschäftsleben

Viele würden Constantin Prinz zu Salm-Salm sicherlich beneiden: Der geschäftsführende Gesellschafter der Salm-Salm und Partner GmbH in Wallhausen bei Bad Kreuznach hatte noch nie in seinem Leben ein Vorstellungsgespräch. Da die GFA für das Unternehmen im Rahmen der Personalberatung das Recruiting übernimmt, fühlte er sich bei den Fragen für diesen Blog-Beitrag etwas wie in einem Vorstellungsgespräch. In seinem „ersten, wenn auch unechten Job-Interview“ haben wir darüber gesprochen, welche Bedeutung das Erkennen individueller Stärken hat und was er im Rugby für das Geschäftsleben gelernt hat.